Arbeiten im Ausland

Ohne Geld um die Welt. Teil 3 – Arbeiten im Ausland

In Arbeiten, Nützliches by shavethewhales6 Comments

In den letzten beiden Ohne Geld um die Welt Artikeln ging es um Freiwilligenarbeit und gratis reisen. Noch optimaler ist natürlich Arbeiten im Ausland und Geld verdienen von unterwegs, darum geht es heute.

Der Königsweg, von überall in der Welt zu arbeiten, ist wahrscheinlich die Selbstständigkeit mit Onlineberufen. Auch digitales Nomadentum genannt. Wer sein Geld mit Grafikdesign, Programmieren, Bloggen, Consulting, Übersetzungen etc. verdient, kann das von überall, wo es Internet gibt. Das kann sogar einiges an Kosten sparen, denn in Asien oder Südamerika sind Miet- und Lebenshaltungskosten viel geringer als in Deutschland. Experten auf diesem Gebiet sind u.a. Conni von Planet Backpack, Sebastian von TravelWorkLive oder Tim von Earthcity.

Eigentlich kann man erstaunlich viele Jobs von unterwegs erledigen, du musst nicht gleich Softwareentwicklung studiert haben. Wie wäre es zum Beispiel mit kreativem Schreiben, Fotografieren, Blogbeiträge produzieren oder Verwaltungsaufgaben? Finden kannst du diese Jobs auf Plattformen wie Odesk, Elance oder Machdudas.

Ein eigenes Onlinebusiness aufzubauen erfordert allerdings viel Mut, Durchhaltevermögen, Eigeninitiative und harte Arbeit. Man kann nicht sofort davon leben, sondern muss sich erst über Jahre Kundenstamm oder Leserschaft aufbauen. (Es gibt aber auch immer wieder Beispiele, die direkt nach ein paar Wochen ihren kompletten Lebensunterhalt finanzieren).

Auch ich finde diesen Lebensstil hochinteressant, schaff´s aber noch nicht, davon zu leben. Ich arbeite dran. Bis dahin habe ich andere Jobs gefunden, mit denen ich ganz gut rumkomme.

Falls es dir ähnlich geht oder du

nur ein paar Jahre unterwegs sein willst, bevor du einen festen Job annimmst

Geld verdienen willst, um eine Reise zu finanzieren

dir Selbstständigkeit zu anstrengend ist oder du dich schlecht selbst motivieren kannst

dann ich hab ich da mal eine Liste vorbereitet:

1. Deine Festanstellung ins Ausland verlegen

Egal ob Koch, Kellner, Verkäufer oder Krankenschwester. Deinen Job gibt´s so oder so ähnlich auch im Ausland. Bewirb dich doch mal in einer Stadt, in der du immer schon leben wolltest. In manchen Jobs werden gezielt deutschsprachige Mitarbeiter gesucht (z.B. in Callcentern oder Hotels mit vielen deutschen Gästen). Wenn du ein Unternehmen gefunden hast, das dich anstellen will, ist es viel einfacher, ein Visum zu bekommen. Oder du bleibst in der EU, dann brauchst dich weder ums Visum noch um die Krankenversicherung kümmern, die gilt nämlich EU-weit.

Weltweite Jobs findest du zum Beispiel bei Craigslist. Du kannst dich auch einfach vor Ort ans Arbeitsamt wenden, dass dir bei der Jobsuche hilft. Du musst nichtmal unbedingt in Deutschland schon im gleichen Job gearbeitet haben. Ich habe in einem Hotel in Südfrankreich gearbeitet. Pole Emploi, das französische Arbeitsamt, war mir kostenlos bei der Suche behilflich. Außerdem konnte ich umsonst an Kursen teilnehmen, wie man z.B. Bewerbungen auf Französisch schreibt.

Vorteil: Du lernst den Alltag eines Lands auf sehr authentische Weise kennen. Du kannst auch in Länder gehen, in die dir Reisen zu teuer wären, du verdienst ja entsprechend Geld.

Nachteil: Du bist an feste Arbeitszeiten gebunden, Rumreisen geht nur noch am Wochenende.

 2. Tauchlehrer, Surflehrer oder Yogalehrer werden

Wenn du eine dieser Sportarten sowieso auf Reisen machen würdest, überleg doch mal, Unterricht zu geben. Stellenangebote findest du in den ganz normalen Onlinestellenbörsen oder direkt auf den Seiten der Schulen. Erfahrungsberichte von Surflehrern gibt es zum Beispiel beim Surfmagazin, mehr Infos zum Leben als Tauchlehrer hier.

Vorteil: Schöne Locations am Meer und im Warmen wie Bali, Honduras oder Thailand. Meist ein junges, entspanntes Team. Und eine Tätigkeit, die dich fit hält und Spaß macht.

Nachteil: Du musst erstmal in die Ausbildung als Lehrer investieren.

3. Arbeiten in Clubanlagen

Clubmed, Aldiana oder Robinson suchen ständig Mitarbeiter für die Sommer- oder Skisaison. Diese Clubs gibt es weltweit, manchmal kannst du aber nur Wünsche angeben, wo du gern arbeiten willst. Ob du wirklich dort landest, ist nicht sicher. Es gibt unterschiedliche Jobmöglichkeiten, von Sportlehrer über Animateur bis zum Rezeptionist. Die Anforderungen sind je nach Job sehr unterschiedlich, bei Clubmed musst du zum Beispiel unbedingt Französisch sprechen. Die Auswahl der Mitarbeiter läuft meist über ein Casting, das in Deutschland stattfindet.

Statt in Clubanlagen kannst du auch weltweit auf Campingplätzen arbeiten, zum Beispiel an der Rezeption oder in der Kinderbetreuung. Das geht bei Anbietern wie Eurocamp oder Canvas.

Vorteil: Du bist immer an schönen Orten, meist arbeitest du am Strand und in der Sonne. Du hast ein großes Team an anderen Mitarbeitern und bist ständig mit Leuten in Kontakt. Anreise, Unterkunft und Verpflegung wird dir gestellt, du hast keine Ausgaben.

Nachteil: Die Bezahlung ist sehr schlecht (nach Anzügen für Essen und Unterkunft etwa 700 netto pro Monat, es sei denn du bist qualifiziert). Du wirst gerade in Clubanlagen oft auch in deiner Freizeit gebeten, doch nochmal kurz hier und da auszuhelfen. Du hast nur einen Urlaubstag in der Woche und so gut wie nie Zeit für dich. Außerdem gibt es oft Dinge wie einen gemeinsamen morgendlichen Tanz und du musst ständig Commitment und Loyalität gegenüber deinem Arbeitgeber schwören. Kann ein bisschen was von Sekte haben. Wenn dich das nerven würde, kannst du auf die Campingplatzoption ausweichen, da stehst du weniger unter Beobachtung. Allerdings ist die Bezahlung meist noch schlechter.

4. Stewardess

Hier kommst du viel rum, allerdings stelle ich mir den Job wegen der ständigen Jetlags, Klimaänderungen und unangenehmer Fluggäste sehr anstrengend vor. Sehr verlockend klingt allerdings das Teilzeitmodell von Lufthansa, in dem du nur 6 Monate im Jahr arbeitest (Sommersaison) und die restliche Zeit frei hast. Trotzdem bekommst du weiter Grundgehalt und Sozialversicherung. Perfekt, um ein halbes Jahr irgendwo im Warmen zu überwintern.

5. Deutschlehrer

Deutsche Muttersprachler werden in vielen Ländern gesucht und zum Unterrichten musst du nicht immer unbedingt Lehramt studiert haben. Bei Deutschlehrerbörse findest du passende Angebote.

6. Begleiter für Jugend-/Sprachreisen

Ruf veranstaltet Ferien für Jugendliche, du kannst als Betreuer mit, verdienst aber eher ein Taschengeld als ein Gehalt (480 Euro pro Monat). Minderjährige Kids betreuen ist außerdem anstrengend und nicht jedermanns Sache. Bei Sprachcaffe betreust du Sprachreisen, der Verdienst ist ähnlich mickrig. Ausgewählt wirst du auch hier meist bei einem Casting.

7. Nachhilfe und Kinderbetreuung

Auch hier kann es dir zugute kommen, dass du deutscher Muttersprachler bist. Viele Kinder werden heutzutage in aller Welt zweisprachig erzogen. Die Eltern suchen dann nach jemandem, der akzentfreies Deutsch mit ihnen spricht. Manchmal geht es um Nachhilfe bei deutschen Hausaufgaben, Abholen vom Kindergarten oder um Babysitten (wenn sich das Kind schon ganz früh an die Sprache gewöhnen soll). In Frankreich gab es zum Beispiel die Speaking Agency, wo deutsch- und englischsprachige Muttersprachler an solche Familien vermittelt werden.

Vorteil: Auch hier erlebst du den Alltag im Land sehr authentisch mit. Da du als deutscher Muttersprachler in manchen Ländern schwer zu finden bist, kann die Bezahlung recht gut sein.

Nachteil: Meist wirst du nur für wenige Stunden angefragt und musst dir viele Jobs zusammenpuzzlen, um genug zu verdienen.

8. Work and Travel

Macht nur in Ländern Sinn, wo du gut verdienst, das wären Australien, Neuseeland, Kanada und USA. Ansonsten kannst du als Deutscher im eigenen Land sehr viel schneller viel mehr Geld verdienen und es dann für eine Reise ausgeben. Aber auch in den klassischen Work&Travel Ländern Australien und Neuseeland ist es gar nicht mehr leicht, gute Jobs zu finden, denn es gibt inzwischen so viele, die das wollen. Das nutzen Hostels und Agenturen aus, sie vermitteln zwar Jobs, streichen aber kräftig Provision ein, sodass dir Hungerlöhne um die 6 Dollar pro Stunde übrig bleiben. Auch Farmarbeit, die du recht leicht findest, ist wirklich nicht angenehm. Viele bekommen Hautausschläge von Spritzmitteln und wirst nach Gewicht und nicht nach Stunden bezahlt.

Vorteil: Die Verbindung aus Arbeit und Reisen macht dich flexibel. Du kannst schnell nochmal arbeiten, wenn du merkst, dass dir das Reisegeld ausgeht.

Nachteil: Du zahlst Flug und Visum erstmal selbst, das kann je nach Land auch schon eine große Investition sein. Außerdem musst du meist eine bestimmte Summe Geld auf dem Konto haben, um überhaupt einreisen zu können.

9. Kreuzfahrtjobs

Auf Kreuzfahrtschiffen kannst du nicht nur als Animateur, sondern zum Beispiel auch als Fotograf, im Filmteam oder als Krankenschwester arbeiten. Auf Cruiselinejobs findest du weitere Infos und Angebote.

10. Gästebetreuer oder Fahrer auf Automobilevents

Deutsche Autohersteller bringen regelmäßig neue Fahrzeuge auf den Markt. Jedes Mal findet dann ein Riesenevent statt, zu dem alle Mitarbeiter der Marke eingeladen sind. Sie kommen aus aller Welt, um das neue Auto kennenzulernen, machen Testfahrten und lernen in Workshops alles über technische Details. Diese Events finden oft irgendwo unter Palmen statt, am Strand oder dort, wo es warm ist. Das Team wird nicht im Land selbst rekrutiert, sondern komplett aus Deutschland mitgenommen und in Hotels untergebracht. Da die Gäste aus aller Welt kommen, werden (meist weibliche) Betreuer gesucht, die sie in ihrer Sprache durchs Programm führen. Wenn du eine ausgefallene Sprache sprichst, hast du hier gute Chancen. In diesen Jobs wird viel Wert auf gepflegtes Aussehen, Ausdruck und Umgangsformen gelegt.

Wenn das nicht dein Ding ist, kannst du dich auch für das Fahrteam bewerben. Die Gäste stellen die Autos nach den Testfahrten meist auf einem Parkplatz ab. Du fährst sie von dort zurück zur Sammelstelle, wo sie gewaschen werden. Manchmal gehört Autowaschen auch zu deinen Aufgaben.

Bewerben kannst du dich bei mehreren Agenturen, die das Personal für diese Events stellen. Freie Stellen findest du zum Beispiel auf Promotionbasis (bei Filtermöglichkeiten Automobilbranche und Ausland einstellen).

Vorteile: Da Anreise, Arbeitskleidung (meist Hosenanzug oder Kostüm), Wäscheservice, Hotel und Verpflegung gestellt werden, hast du keine Ausgaben. Guter Verdienst, du wirst pro Stunde bezahlt und auch dann, wenn du Leerlauf hast, also auf Gäste wartest, die Gäste gerade ihre Probefahrt machen, du mit den Gästen Mittag isst usw. Dir wird zum Beispiel auch die Zeit bezahlt, in der du zum Arbeitsplatz fährst, bei manchen Agenturen auch die Anreisezeit aus Deutschland zum Projektort. Großes, junges Team.

Nachteile: Es wird extrem auf Äußerliches geachtet. Wenn Frisur oder Kleidung nicht richtig sitzen, wirst du sofort darauf angesprochen. Die Mädels müssen manchmal hohe Schuhe tragen, das kann bei langem Stehen anstrengend werden. Vor Projektbeginn musst du manchmal zur Stylistin, die dir Lippenstift-, Rouge- und Nagellackfarbe zuteilt. Die musst du tragen, auch wenn´s dir selbst nicht gefällt. Manchmal herrscht auch in deiner Freizeit absolutes Alkoholverbot.

 

Wichtig: Da du die meisten dieser Jobs auf selbstständiger Basis machst, brauchst du einen Gewerbeschein. Wenn du nicht direkt deinen kompletten Lebensunterhalt damit bestreiten willst, kannst du dich erstmal als Kleinunternehmer anmelden. Genaue Infos bekommst du unter dem Link oder von deinem Arbeitgeber. Ob du ein Visum brauchst und wie du es bekommst, erfährst du auf der Seite vom Auswärtigen Amt.

War was dabei? Hast du noch andere Ideen? Dann schreib sie mir gern in die Kommentare.

 

Comments

  1. Hey ich bin selber Digitale Nomadin, arbeite aber auch als Gästebetreuerin im Ausland :)

  2. Pingback: Unpacking Travel: Ausgabe 53 | GoEuro Blog

  3. Pingback: Web-Bonbon #2: Shave the Whales | Ausflugsziele NRW

  4. Super Artikel über das Arbeiten in Ausland. Macht wirklich Lust auf mehr und darauf, sich vor den nötigen Schritten nicht mehr zu drücken. Egal ob Sprachaufenthalte oder der Traum von tollen Jobs im Ausland. Man denkt oft darüber nach, doch an der Umsetzung in die Tat hakt es oft. Hat schon jemand von euch Erfahrungen mit dem Arbeiten in Australien oder Neuseeland gemacht?

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