Tropical Islands Südsee

Tropical Islands – Urlaubsfeeling oder Plastikhölle?

In Reisen by shavethewhales18 Comments

Als ich morgens aus meinem Zimmer im Tropical Islands komme, empfängt mich Popcorngeruch und 26 Grad warme Luft. In Sommerkleid und Flipflops steige ich die Treppe der künstlichen Burg herunter, in der ich hier wohne. Ich laufe an balinesischen Bauwerken, Candyshop und Airbrushtattoostand vorbei zum Frühstücksbuffet. Wie in einer lebensgroßen Spielzeugwelt, die ein Kind mit sehr viel Playmobil gebaut hat, so etwa fühle ich mich. Es muss aus allen, jemals erschienenen Sets die besten Bauteile rausgesucht (Mittelalter, Piraten, Zoo, Safari, Zirkus, Camping) und in durchdachter Mischung in dieser Kuppel aufgestellt haben. Alles ist schön bunt und wer hier rein kommt, weiß gar nicht, wohin zuerst bei so viel Angebot.

Kuppel Tropical Islands

Wenn ich den Artikeln der großen Zeitungen Glauben schenken würde, hätte ich hier keinen Fuß reinsetzen dürfen. Die beschreiben das Tropical Islands als künstlich, nervig, laut. Ich kann das nicht bestätigen, in meinem Zimmer ist es angenehm ruhig und auch in der Halle läuft keine Musik, nur der typische Hallenbadsound von badenden Menschen. Das ein oder andere Arschgeweih begegnet mir und es gibt hier auch Gäste, die auf eindrucksvolle Weise aus ihren Badehosen quellen. Ich kenne allerdings keinen Badeort und kein Freibad, an dem das nicht der Fall wäre.

Die Krümel meines Frühstücksbrötchen werden hier nicht von Spatzen, sondern von Zebrafinken gefressen. Sie sitzen direkt neben meinem Stuhlbein und verfolgen jede meiner Kaubewegungen.

Finken Tropical Islands

Die Finken wohnen im Indoor-Regenwald, dem Herzstück vom Tropical Islands. Der ist echt und beherbergt noch andere wilde Tiere; Flamingos, Schildkröten, Kois. Als ich durchlaufe, kommt mir ein ferarriroter Fasan mit orangenen Kopffedern im Vokuhila-Look entgegen. Noch nie gesehen, so ein Tier, auch nicht nach vielen Reisen in die echten Tropen.

Fasan, Tropical Islands

Ich stelle mir mein 20 Jahre jüngeres Ich vor. Es wäre begeistert gewesen. Es hätte beim Anblick des Rutschturms spitze Schreie der Entzückung von sich gegeben. Es wäre bis zum Zusammenbruch immer wieder hochgeklettert und bis zur völligen Hautverschrumpelung im Wasser geblieben. Es hätte noch Wochen später von Rutschen, Wildwasserkanal und Indoor-Ballonfügen erzählt und sich zum Geburtstag Tropical Islands Besuche gewünscht.

Außenbereich Tropical Islands

Wenn man ins Wasser steigt, fängt es überall an zu blubbern, glucksen und strudeln. Hier ein Wildwasserkanal, der einen mitreißt, da eine plötzlich losschießende Fontäne. Wer sein inneres Kind noch nicht ganz vergessen hat, hat hier auch im Erwachsenenalter Spaß.

Das Tropical Islands hat rund um die Uhr geöffnet. Nachts schwimmt man durchs blau beleuchtete Wasser und hat die Becken ziemlich für sich allein. Ich kenne keinen anderen Ort, der sowas kann.

Am schönsten finde ich die Saunalandschaft. Über verwinkelte Gänge laufe ich von Stelzenhaussauna zu Baumhaussauna, Salzgrottensauna und Kräuterschwitzhütte. Ich kann mich in baumelnden Schaukelkugeln ausruhen oder vom Stelzenhaus auf die anderen Saunagäste runtergucken.

Es gibt Restaurants, die Jakobsmuscheln, Lachs und Spargel servieren, wir dinnieren in Sommerkleidung, obwohl draußen längst wieder lange Hosen Temperaturen herrschen. Nach einem Glas Wein fühlt es sich wirklich ein bisschen wie Thailand an, wo wir unter Lampions und Blätterdach dasitzen.

Lagune

Doch, hin- und wieder finde ich das Ganze zu künstlich und nein, ich werd weiter lieber in die richtigen Tropen fahren. Oder? Ich muss an meine erste Reise in die Tropen nach Afrika denken: alptraumgeplagt von der Malariaprophylaxe, panisch angesichts der Kakerlakeninvasion im Bad, zerstochen von den Moskitowolken, mit Würgreiz im Bauch, weil ich die frittierten Yamswurzeln nicht vertrug. Ich bereue nichts, die kulturelle Erfahrung, die Menschen und Gespräche der Reise machen das alles wett. Nochmal nach Togo fahren würde ich allerdings auch nicht.

An der Rezeption beschwert sich eine Frau, ihr sei zu warm, es gibt nirgendwo eine Klimaanlage, sie habe schon Kopfschmerzen. Vielleicht ist Tropical Islands so etwas wie ein Tropenurlaubs-Testdurchlauf. Wer es hier zu warm findet, sollte den echten Tropen fern bleiben.

In den richtigen Tropen gibt es keinen Ausgang zum Außenbereich, zu weniger Luftfeuchtigkeit und ein wenig frischer Brise in den Wiesen Brandenburgs. Wer krank wird, muss dem togolesischen Dorfarzt trauen, der in einer Hütte praktiziert. In den Originaltropen gibt es keine deutschen Restaurants, keine Wasserfilter und nicht immer Bademeister, die rund um die Uhr arbeiten. Im Tropical Islands kann man nicht im Dschungel verloren gehen, in Seeigel treten, Sonnenstich bekommen oder vom Hai gefressen gewerden. Klarer Vorteil, besonders wenn man mit Kindern verreist. Und würden alle diese Menschen stattdessen in den Flieger steigen, um in die echten Tropen zu fliegen, wär´s um das Klima schlecht bestellt.

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Vielen lieben Dank an das Tropical Islands für die Einladung!

Comments

    1. Author

      Danke Liebes! Und jaaa, die Kokosnuss, hatte ich völlig vergessen

  1. Das hast du schön geschrieben ;)

    Mein letzter Besuch liegt schon ziemlich lange zurück, da gab es wohl noch keine exotischen Vögel. Damals war ich kurz vor Weihnachten dort, um auf dem Heimweg zu den Eltern einen Tag dem Winter zu entfliehen!

    Schon spannend was da in der Einöde Brandenburgs geschaffen wurde, auch wenn es nicht die echten Tropen sind ;)

    LG Synke

    1. Author

      Vielen Dank, liebe Synke. Ja, es wurde einiges angebaut, du würdest es wahrscheinlich nicht wieder erkennen, wenn du nochmal hinfährst

  2. Finde die Idee mit den Tropical Islands gar nicht so schlecht. :-) Nicht jeder hat die finanziellen Möglichkeiten, in ferne Länder zu reisen.

    1. Author

      Doch, die gibt es, funktioniert prima :)

  3. Natürlich kann sowas eine echte Rundreise nicht ansatzweise ersetzen, aber schön, auch mal eine andere Stimme dazu zu hören. Ging mir immer ähnlich mit den Sachen, die ich drüber gelesen habe. Und war selber auch noch nicht da.

  4. Wer Tropical Islands mit den echten Tropen vergleicht, kann nur verlieren :).

    Es ist ein wirklich schönes Schwimmbad mit einer traumhaften Kulisse und einer teilweise sehr beeindruckenden Tierwelt.
    Es kommt sogar auch Urlaubsfeeling auf.

    Der Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Einzig, was doch einen doch etwas verärgert sind die hohen Preise für das Essen. Zumindest war das mein Eindruck.

    1. Author

      Hallo Giorgios, vielen Dank für deinen Kommentar, und gut, dass du eine schöne Zeit im Tropical Islands hattest. Ja, es waren schon recht hochpreisige Restaurants dabei, dafür fand ich das Essen dort aber auch sehr gut. Ich glaub, die günstigste Alternative war die Pommesbude :)

  5. Vergleichen macht unglücklich. Ich würde mein Reiseziel nicht nach Preis/Leistung aussuchen, oder ob es irgendwo so ähnlich ist wie woanders. Eine bewusste Reise in eine Retorte ist auch authentisch.

  6. Was ein Zufall: Ich war zwei Wochen nach Dir auch dort mit einer großen Radfahrergruppe. Man kann noch ergänzen, dass es auf dem Gelände, etwas abseits im Wald, auch einen Camping-und Wohnmobilplatz gibt. Zusätzlich sind auch noch Wigwam-Hütten dort buchbar.
    Die Einrichtungen sind modern, die Atmosphäre sehr angenehm. Der Frühstücksservice am Morgen klappte ausgezeichnet.
    Ein regelmäßiger Shuttle-Bus bringt die Gäste vom Platz dort direkt ins Island. Der nette Fahrer lädt auch schon mal, wenn man zu früh am gegenüberliegenden Haltepunkt wartet, auf eine kleine Runde über den lokalen Bahnhof ein, der übrigens von der Linie auch mit bedient wird – sehr nett! Und inklusive.

    1. Author

      Hallo Peter, oh, das wär witzig gewesen, hätten wir uns da getroffen :) Das klingt super, die Wohnmobiloption. Ich war während meines Aufenthalts mal draußen, bin ein bisschen durch den Wald gestapft und fand es landschaftlich wirklich hübsch…
      Bis bald, Caro

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