Südafrika: Joburg´s first dog was a fox terrier named Whiskey. Oder: Recyclingkunst von Andrew Lindsay

In Begegnungen, Reisen by shavethewhales5 Comments

Johannesburg: Der grüne Fisch dreht sich mit offenem Mund im Wind. Er war mal eine Plastikflasche, jetzt ist er ein Mobilé. Er ist mir direkt sympathisch, weil ich in Flaschen mit abgeschnittenen Hälsen nie Fische erkannt habe, nie ihr Potential gesehen habe. “Da guckst du hm?” scheint der Fisch zu sagen.

Ich wandere weiter durch die Spaza Art Gallery, die Galerie der Recyclingkunst von Andrew Lindsay. Zu Holzskulpturen mit abgebrochenen Nasen, zu Mosaiken, gelegt aus Steinchen ganz unterschiedlicher Herkunft. Zu Collagen, alle aus “Müll”, alle einzigartig. Müll, der vor kurzer Zeit noch Konsumgegenstand, Statussymbol war. Wie zerbrechlich die Anerkennung sein kann, die man sich damit erkauft.

Konsum ist immer auch Zerstörung, denn ich schmeiße etwas weg, was noch gut ist. Recycling ist Zerstörung und Neuerfindung, Besinnung. Es ist eine intensive Beschäftigung mit einem Gegenstand, der in neuen Zusammenhängen ganz neuen Sinn machen kann.

Lindsay arbeitet nicht nur mit Dingen, die andere für wertlos halten, sondern auch mit Menschen, für die viele nur abfällige Blicke haben, mit den Müllsammlern. Unermüdlich ziehen sie mit ihren Wagen durch die Straßen Johannesburgs, sammeln Plastik, Papier oder Metall, um an den Sammelstellen ein kleines Gehalt zu bekommen. Lindsay hat mit einem von ihnen angefangen, einen Turm aus Flaschen zu bauen. Er ist Teil der Galerie geworden und jeder, der sie besucht, darf eine Botschaft schreiben und sie als Flaschenpost dem Turm hinzufügen. Wer weiß, was in diesen Menschen stecken würde, würde man nur aufhören, sie als unbrauchbar zu betrachten?

Ich sehe eine Karte von Johannesburg an der Wand, auf der nur schöne Dinge eingezeichnet sind, denn von den schlechten hört man schon so oft. Lindsay hat seinen Lieblings- Käseladen aufgemalt. Lachende Marktfrauen. Spielplätze. Sogar der erste Hund Johannesburgs, ein Foxterrier ist eingezeichnet.

Die ganze Galerie ist ein Appell an eine Gesellschaft, die schnell urteilt und aussortiert. Dinge, weil sie nicht mehr neu sind. Menschen, weil sie Müll sammeln. Städte, weil sie gefährlich sind. Mein Bild von Johannesburg hat an Gefahr verloren und an Gewalt. An ihrer Stelle sitzt ein Foxterrier namens Whiskey.

Mein Film zur Reise hier

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Der Artikel erscheint im Rahmen der Blogparade “Mein faszinierendes Kulturerlebnis”

Comments

  1. Pingback: Blogparade-Aufruf zu "Mein faszinierendes Kulturerlebnis"

  2. Liebe Caroline,

    vielen herzlichen Dank für diesen tollen Beitrag über Recyclingkunst in Johannesburg! Jetzt weiß ich, was agbeschnittene Hälse und Fische miteinander zu tun haben :-) – schöne Bilder!
    Dein Blog gefällt mir sehr gut, weiter so!

    Herzlich,
    Tanja

  3. Pingback: #KulturEr - ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk #Blogparade (3)

  4. Liebe Caroline,

    Herzlichen Dank für diesen schönen Text und die tollen Fotos.
    Sehr kreative Ideen für unser Kinderhaus!

    Viele Grüsse
    Monika

    1. Author

      Liebe Monika,

      sehr gerne, wie schön, dass ich die Ideen auf diese Art weitergeben kann. Viel Spaß beim Bauen und Basteln wünscht

      Caroline

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