Madrid Templo de Debod

Madrid, du unterschätzte Stadt

In Reisen by shavethewhales12 Comments

„Warum bin ich eigentlich immer nur nach Barcelona gefahren?“ denke ich, als ich Madrids bonbonfarbene Häuser mit den Schnörkelbalkonen im Abendlicht sehe, die vielen Plazas mit den Springbrunnen in der Mitte und die kunstvollen Graffitis im Studentenviertel. Die Straßenschilder, auf denen nicht nur der Straßenname, sondern auch ein passendes Bild aufgemalt ist. Ich fühle mich wirklich ein bisschen schlecht, die Stadt so unterschätzt zu haben.   

Plaza de Espana, MadridWas ich hier sehe, kenne ich nicht von Postkarten, irgendwie hat mir niemand je davon erzählt. Nicht von dem Glasschloss im Retiropark, das ich irgendwann ganz zufällig fand. Nicht vom Templo de Debod über der Stadt, an dem man sich abends trifft, um den Sonnenuntergang zu sehen. Nicht von den vielen Parks, in denen auch im Februar Blumen blühen und Vögel singen. Wo man über sehr weiches Gras laufen kann, wenn auch in Winterstiefeln, aber es riecht immer schon ein bisschen nach Frühling und Sonne. Und dass hier fast immer die Sonne scheint, auch im Winter, wusste ich auch nicht.

MadridCalle de los reyes. madrid street art madridFriseur MadridManchmal ist es ja gerade das, das man eben nicht die Dinge fotografiert, die schon tausende andere Menschen besser fotografiert haben, sondern Neues entdeckt. Das macht jede Reise viel aufregender.

Gran ViaWer durch Madrids Straßen läuft, merkt schnell, dass hier gute Stimmung herrscht. Trotz Krise und obwohl die Stimmung vor ein paar Jahren vielleicht noch besser war. „Da war jede Bar abends voll, auch montags“ erzählen mir die Madrileños. (Und Madrid hat viiiieeele Bars!) Inzwischen gibt es viele Cervecarias 100 Montaditos, eine Kette von Bars, wo jedes Bier nur einen Euro kostet. Die Menschen hier lassen sich den Spaß, sich abends zu treffen, nicht nehmen. Auch im hohen Alter nicht, es gibt immer ein paar Tische voller Omas, mit Bier oder Tinto de Verano vor sich. Bestimmt haben sie die gleichen Krankheiten wie deutsche Omas (oder kennen Freunde, die Krankheiten haben) aber darüber reden sie nicht. Sie haben Heidenspaß.

Und ja, es gibt auch die Menschen, die sich selbst Bier für einen Euro nicht leisten können… Die Obdachlose, an der ich jeden Tag vorbeilaufe. Deren Kleiderschrank ein Einkaufswagen und deren Wohnzimmer ein öffentlicher Picknicktisch im Park ist. Und die ich manchmal tanzen sehe. Nur für sich, mit Kopfhörern im Ohr. Bei solchen Dingen könnte ich heulen. Oder der Mann, dem ich einen Euro in den Hut schmeiße und der mir danach ein Gedicht schenkt. Bei sowas könnte ich noch mehr heulen. Der Zettel mit dem Gedicht ist mir irgendwann abhanden gekommen. Aber wenn ihr in Madrid seid, der Mann sitzt auf der Gran Via, vielleicht trefft ihr ihn ja. Ich wünsche ihm, dass er eines Tages berühmter Dichter wird.

Madrid, Spanienla vida es bella

meine Madrid1. Parque del Retiro und Palacio del Cristal (Haltestelle Retiro): Riesiger Park mit einem Glasschloss in der Mitte.

El Retiro Park, MadridPalacio del Cristal, MadridPalacio del Cristal, MadridPalacio del Cristal, Madrid2. Atocha (Haltestelle Atocha): Bahnhofgebäude mit Palmengarten und Schildkrötenteichen drin

Atocha Bahnhof Atocha Bahnhof3. Plaza Mayor (Haltestelle: Opera oder Puerta del Sol). Kein Geheimtipp, trotzdem sehenswert. Genauso schön: die vielen kleinen Gassen und Läden drumherum

Plaza MayorPlaza MayorPlaza Mayor

4. Matadero (Haltestelle Legazpi): Ehemaliger Schlachthof. Heute ist alles voller Kunstausstellungen.

Plaza Matadero, MadridPlaza Matadero, Madrid

5. Templo de Debod (Haltestelle Ventura Rodríguez), abends, zum Sonnenuntergang mit Blick über die ganze Stadt

Templo de DebodSonnenuntergang, Templo de DebodBlick über Madrid vom Tempo de Debod6. Die Dachterrasse auf dem Gebäude des Círculo de Bellas Artes. (Haltestelle Banco de España). Auch wenn´s kalt ist gut zum Sonnen, weil windgeschützt und mit super Blick.

Dachterrasse Palacio Bellas ArtesDSC_0998

7. Die Gran Via (und Calle de Alcalá). Sie wird nicht umsonst Prachtstraße genannt. Schnörkel bestaunen. An Kreisverkehren mit Springbrunnen und Triumphbögen vorbeilaufen. Am schönsten in der Dämmerung.

Springbrunnen, Gran Via, MadridVordach, Gran Via Gran Via MadridGran Via8. Das Studentenviertel (Universidad, Haltestelle Noviciado). Rumlaufen und kleine Kunstwerke an jeder Ecke entdecken.

Studentenviertel MadridDSC_0161Universidad MadridDSC_0090 DSC_0193Street Art Madrid9. Puerta del Sol. (Haltestelle: Puerto del Sol). Zentraler Platz und der geografische Mittelpunkt ganz Spaniens. Hier kann man sich lange hinstellen, Eis essen und Straßenkünstler beobachten.

DSC_0658Plaza del Sol10. Museo del Prado. (Haltestelle: Atocha) Montag bis Samstag von 18 bis 20h freier Eintritt. Am Sonntag von 17 bis 19h. Schon wegen dem Gebäude sehenswert. Leider keine Fotos erlaubt. Wer lieber moderne Kunst mag, sollte zum Museo Reina Sofía. Mo, Mi, Do und Sa von 19 bis 21 Uhr freier Eintritt.

Museo del PradoWer nur einen Tag Zeit hat, der kann beim Weltreiseforum vorbeischauen, da gibt´s Tipp für Madrid in 24 Stunden.

Was hab ich vergessen? Habt ihr noch Tipps?

DSC_0156_2MadridBar La Piola Madridgrüne Wand MadridApotheke MadridDSC_0186MadridTür, Madrid

Comments

  1. Ich war vor 4 Jahren im Juli dort und kann Dir nur beipflichten. Madrid ist wirklich schön. Die vielen Feinheiten und großen Prunkbauten machen diese Stadt aus. Trotz der vielen schönen Dinge die man überall sehen kann, gehört es zu den schönsten Momenten, nach Sonnenuntergang auf einem der vielen Plätze zu sitzen und der Musik zu lauschen.

    1. Author

      Oh ja, die Musik von überall hab ich gar nicht erwähnt…Und im Sommer muss ich auch nochmal hin…

  2. Ich war zwar einmal in Madrid, aber was kann man in wenigen Tagen schon sehen? Den schönen Glaspalast kenne ich beispielsweise noch nicht. Allein deswegen würde ich schon wieder hinfahren wollen! Danke für die Inspiration, sonnige Grüße
    Jutta

    1. Author

      Ach, ich hatte auch nur ein paar Tage, zwei reichen eigentlich, wenn man gut Karten lesen kann und alles schnell findet. Ich hab mir alles erlaufen, die Innenstadt ist echt nicht groß. Vielleicht schaffst du´s ja noch hin, Grüße zurück aus dem Regen :)

  3. Auch ich war erst vor wenigen Tagen auf dem Weg nach Portugal ganz kurz in Madrid. Mir ging es genau so wir dir: Ich hatte vor der Reise kaum eine Ahnung von der Stadt und nur eine sehr diffuse Vorstellung, was mich dort erwartet.

    Ich bin daraufhin mit meinen Bekanten, die dort arbeiten, einfach kreuz und quer durch das Zentrum spaziert und war von der Stadt sehr angetan. Was mir besonders gefiel, das waren weniger die Dinge, die ich mir dort ansah, sondern vielmehr die insgesamt doch recht positive Grundstimmung. Trotz sichtbar schwieriger Wirtschaftslage und den verarmten Obdachlosen, denen auch ich hin und wieder begegnete.

    Den Glaspalast fand ich übrigens auch eines der Highlights. Wir hatten in der Schule einst den Kristall Palast in London besprochen und ich war damals so traurig, dass es den nicht mehr gibt. Du kannst dir sicher vorstellen, dass ich dann ganz aufgeregt war, als ich zufällig an ein ganz ähnliches Gebäude lief.

    1. Author

      Ja, der Glaspalast war auch mein Favorit…

  4. Oh wieder jemanden auf die Seite der Madrid Fans gezogen :) Ich hab mich in Madrid auch wohler gefühlt als in Barcelona. Was vllt auch daran liegt, dass es in Madrid einfach nicht soooo super viele Touristen wie in Barcelona gibt. Aber du brauchst dich nicht schlecht fühlen, Madrid unterschätzt zu haben, ich denke das tun was alle bevor sie da gewesen sind!

    1. Author

      Ach, ich fühl mich in beiden Städten wohl. Von Madrid hört man nur immer so viel weniger…

  5. Habe dort Erasmus gemacht. Ein wundervolles halbes Jahr – Madrid gefällt mir auch definitiv besser als Barcelona.
    Fast jeden Abend – ob mit Freunden oder erst allein (man bleibt selten allein) irgendwo Tapas, vorzugsweise Serrano und Manchego essen gehen vermisse ich so total. Der große Flohmarkt jeden Sonntag, “El Rastro” südlich des Zentrums, ist noch sehr empfehlenswert, insbesondere wenn man sich auch mal in Nebenstraßen begibt.

    Die tollsten Sachen hast Du eigentlich alle aufgezählt. Obwohl nicht technisch Madrid, sind die angeschlossenen Städte Aranjuez und Alcala de Henares sehr empfehlenswert. Etwas weiter locken mit dem Kloster El Escorial, Avila, Segovia, Cuenca und Toledo auch weitere wundertolle Städte für einen Tagesausflug.

    In Madrid kann ich auch empfehlen – ob man nun Fussball-Fan ist oder nicht (ich bin es eigentlich nicht)- sich ein Spiel von Athletico oder Real anzuschauen – und das Derby zumindest mit Spaniern in ihrer Kneipe verfolgen :) Die Stimmung ist unglaublich!

    1. Author

      Hey Christoph, danke, sehr schöne Ergänzung! Bezieh ich alles ein in die Planung beim nächsten Madridbesuch! Und ja, ich versteh dich sehr, ich hätte´s auch locker ein halbes Jahr dort ausgehalten :)

  6. Und auch ich reihe mich ein in die Riege der Madrid-Unterschätzer. Seit ich dort war weiß ich es besser – die Stadt is autentisch, nicht geschönt und nicht vordergründig für die Touristen sondern mehr für die Einheimischen gemacht. Barcelona ist allein durch seine Lage am Meer schön, aber es ist mir zu hip geworden, irgendwie fliegt in den letzten Jahren jeder nach Barcelona und man merkt, dass die Stadt vor Touristen aus allen Nähten platzt. In Madrid ist das anders. Genial, einfach die ganzen Tapas Bars, das Leben auf der Straße, die Chueca (das ist das Studentenviertel). Und sich mit einem Glas Wein in der Hand durch die Markthalle San Miguel durchschlemmen ist überhaupt ein Hammer :-) Außerdem finde ich die Leute netter als in BCN. Madrid ist sicher mehr die Stadt für fortgeschrittenere Reisende………

  7. Pingback: 36 Stunden in Madrid: Meine Lieblingsplätze - glutenfreiumdiewelt.de

Leave a Comment

71 − = 67